Bistumsstelle
Münster

Jahresbericht 2009

Ernst Dertmann

„Es gilt die docta spes -

Resignation ist überhaupt kein Gesichtspunkt"

Rechenschaftsbericht des Friedensarbeiters 2008/2009

Liebe Freundinnen und Freunde in PAX CHRISTI

Wenn ich den Berichtsraum überschaue, dann sage ich einfach mal so: auchin diesem Berichtsjahr habe ich meine Arbeit für PAX CHRISTI in unserem Bistum getan. Und dies wiederum in und mit sehr großer Leidenschaft - in jeder Woche regelmäßig mit weit mehr als 40 Stunden. Ich habe mich daran gewöhnt, dass so also meine halbe Stelle aussieht.

Nichts war in der Arbeit einfach Wiederholung. Auch nicht bei vielen festen Terminen und auch nicht bei den inzwischen traditionellen Veranstaltungen.

I.

Zunächst seien UNSERE GOTTESDIENSTE genannt, in denen wir uns stärken und gegenseitig ermutigen, auch schweigen und uns Gott und einander anvertrauen - und gemeinsam unseren Gott des Lebens feiern.

Da ist eines unserer Markenzeichen: die Politischen Nachtgebete, zu denen wir zweimal im Jahr in die Petrikirche nach Münster einladen. Ferdi und ich bereiten in der Regel den Verlauf vor, meistens ist auch Andreas Wintels dabei. Die Informationen und Einladungen zu unserem Siebten und Achten Politischen Nachtgebet am 28. November 2008 und 27. März 2009 waren auch diesmal ein aufwendiges Unterfangen: die Informationen an die Münsteraner Pfarreien und die verschiedenen Medien. Ob und wie das umgesetzt wird kann ich letztendlich nicht sagen. Aber die münsteraner Bürgerschaft wird wohl meistens nur sparsam bis gar nicht informiert, also die Berichterstattung in Münsters Medien lässt insgesamt trotz aller Anstrengungen sehr zu wünschen. Die Programmzettel müssen neben den Plakaten erstellt werden. Rückfragen kommen manchmal.

Der Prediger Fulbert Steffensky hat sich in unseren Reihen sehr wohl gefühlt und mir gesagt, er würde uns ermutigen, die Reihe der Politischen Nachtgebete fortzusetzen. Die Petrikirche war gut gefüllt. Auch der Prediger Norbert Arntz fühlte sich sichtlich wohl, und auch er überzeugte mit seiner Predigt alle Teilnehmenden und späteren Leser des Textes.  

Immer zu Jahresanfang findet unser Friedensgottesdienst in der Gastkirche zu Recklinghausen am zweiten Samstag des Jahres statt. Als Geistlicher Beirat leitete Ferdi den Gottesdienst 2009 und predigte. Wichtig ist im Anschluss daran immer das gesellige Zusammensein, (zu dem jeder etwas zu Essen mitbringt - es kommt immer ein tolles Buffet zusammen!), bei dem Bernhard Lübbering vom vergangenen Jahr von den sehr vielfältigen Aufgaben aus Recklinghausens Citypastoral erzählt. Mein Beitrag: besondere Höhepunkte des abgeschlossenen Jahres und anstehende: rund um das Buch zu Ferdis 75. Geburtstag, die Erinnerungs- und Gedenkstätten-Fahrt nach Riga etc. 

II.

Wie auch in den vergangenen Jahren war ich auch diesmal wieder in unsere REGIONALE(n) STUDIENTAGE eingebunden: Regionale Studientage sind unsere jährlichen PAX CHRISTI-Treffen zu einem bestimmten Thema in den verschiedenen Regionen des Bistums.

Der Studientag für die Region östliches Münsterland am 17. Januar 2009 in Freckenhorst mit dem Oldenburger Klaus Hagedorn als Referenten war teilnehmermäßig nicht so gut besucht wie schon mal, aber inhaltlich sehr brillant und spannend.

Am 7. März 2009 fand der erste Studientag der Region westliches Münsterland/nördliches Ruhrgebiet in Coesfeld statt. 20 Teilnehmende. (vgl. dazu den Bericht von Rudolf Schulze-Bertelsbeck in der „pc-Korrespondenz" 2/2009.  Insgesamt ein sehr gedrängtes Programm, ein insgesamt gelungener Studientag. Nur der/die eine oder andere aus der Region wurde sehr vermisst.

Am 24. Oktober 2009 findet der diesjährige regionale Studientag für die Oldenburger Region statt. Auch diesmal sollen Friedensdienste im Ausland und das Programm „Weltwärts" der Bundesregierung auf Vorschlag der Oldenburger die Hauptthemen des Treffens sein.

Und zum 5. Dezember 2009 wird zum regionalen Studientag für die Region Niederrhein nach Kevelaer eingeladen. Thema: „Mauern überwinden" u. a. mit Veronika Hüning. Im Berichtsjahr fiel der niederrheinische Studientag wegen der Riga-Fahrt aus.

III.

Im Zeitverlauf sind auch die überregionalen PAX CHRISTI-Termine, an denen ich teilgenommen habe:

  • an der Delegiertenversammlung 2008 in Kevelaer vom 7.-9. November 2008
  • am Bistumsstellentreffen in Nürnberg vom 20.-22. März 2009, diesmal als einziger aus dem Bistum Münster
  • am Kongress in Magdeburg vom 15.-17. Mai 2009. Ich fand den Kongress in allem sehr gut vorbereitet und moderiert. Sehr offen und gut vorbereitet die Gespräche in den Arbeitsgruppen. Neben dem Referat von Urs Eigenmann war der ausgedehnte Gottesdienst mit Ferdi am gesamten Sonntagmorgen (mit Raucherpause!) der Höhepunkt des Kongresses.

Auch ansonsten ist mein Kalender das Jahr über sehr stramm gefüllt. Um es mal hier einfach so zu sagen: alle Termine kann ich nicht wahrnehmen - wenn sie auf einen Tag fallen. Aber: ich habe bislang noch keine Einladung - von wem auch immer - nicht angenommen. Allen Einladungen in die Gruppen, wenn sie denn kamen, bin ich immer sehr gerne bevorzugt nachgekommen. Die Arbeit vor Ort ist mir allemal wichtiger als womöglich im Büro zu hocken, um zu warten, bis jemand anruft. Dazu bin ich noch immer zu umtriebig, zu ungeduldig auch.

IV.

Klar ist, dass im Berichtsjahr wiederum öffentliche Vortragsveranstaltungen zu organisieren oder mit zu organisieren waren. Zum Teil mit sehr großem Zeitaufwand und manches Mal mit allerlei Komplikationen.

Dazu gehört insbesondere unsere Reihe „Zeitzeugen für Frieden und Aussöhnung", die wir gemeinsam mit dem FHH machen. Die ist bislang immer gut gelaufen und angenommen worden.

Pfr. em. Wilhelm Schultes war am 21. April zu einem langen und interessanten Vorbereitungs- und Informationsgespräch im Büro. Zur Veranstaltung in unserer Reihe „Zeitzeugen für Frieden und Aussöhnung" mit ihm am 29. April hatten sich bis zum 28. nuuuuuuuuuur ganze 5 Leute angemeldet. Am Tag später waren aber 30 Teilnehmende da. Besonders mit der Vorbereitung der Fragen zu diesem Zeitzeugen habe ich mir sehr viel Mühe gegeben, da es keine Veröffentlichungen über ihn gibt.

Aktuell jetzt habe ich Prof. Dr. Dr. h. c. Klemens Richter für unsere Reihe „Zeitzeugen für Frieden und Aussöhnung" im Frühjahr 2010 gewinnen können. Wie bekannt hat er erheblichen Anteil an den Neugestaltungen zu einem gut nachbarlichen Verhältnis zu Polen und war deswegen sogar auch unter Polizeischutz gestellt worden, wie er mir erzählte. Auf diese Veranstaltung kann jeder sehr gespannt sein. Ich bereite mich darauf vor, ihn zu interviewen. Zur Vorbereitung haben wir ein Gespräch vereinbart.

Verhandlungen mit Pof. Harald Welzer für eine Veranstaltung zum Thema „Klimakriege" laufen noch. Die Veranstaltung soll dann im Franz-Hitze-Haus sein.

Der Termin der sehr aktiven Gruppe Coesfeld mit drei Bundestagsabgeordneten von  CDU, SPD und Bündnis90/Grüne) am 24. Oktober 2008 in Coesfeld aktuell zum Afghanistankrieg fand zahlreiche TeilnehmerInnen. Daran und an dem vorbereitenden workshop habe ich teilgenommen.

Die Veranstaltung mit der Friedensfachkraft auf den Philippinen, Patrick Koop,   am 27. Mai 2009 in Coesfeld mit der Bistumsstelle und dem Referat „Weltkirche" des Generalvikariats als Veranstalter war nur mäßig besucht und hätte wegen der sehr vielen neuen Einblicke in Leben und Arbeiten dieses katholisch geprägten Viel-Insel-Staates wesentlich mehr Teilnehmende verdient gehabt. Uli Jost-Blome vom Referat „Weltkirche" und ich waren der Meinung, diese Veranstaltung nicht im veranstaltungsreichen Münster zu machen, sondern in Coesfeld.

2. Oktober 2009: Besuch der Synagoge in Recklinghausen mit Teilnahme am jüdischen Gottesdienst und anschließendem Laubhüttenfest. 15 Teilnehmende. Der Sprecher der Gemeinde Herr Lewin erzählte zu Beginn aus seinem sehr bewegten und filmreifen Leben: von der Untergrundarbeit gegen die Nazis bis zum berühmten Rettungsschiff „Exodus".

„Freiwillige Friedensdienste im Ausland" sind immer Thema eines weiteren festen Standbeins im Jahresverlauf: als gemeinsame Veranstaltung für Jüngere von PAX CHRISTI und dem Franz-Hitze-Haus. Bis zum dann verlängerten Anmeldeschluss sah es so aus, als müsse die Veranstaltung am 19. und 20.Juni 2009 mangels ausreichender TeilnehmerInnen ausfallen. Am letzten Anmeldetag kamen dann doch noch etliche Namen hinzu, so dass es 18 Teilnehmende gab. Ich hatte am Samstag den Nachmittag zu gestalten. (Auf mein Befragen der so späten Anmeldungen: andere Einladungen z.B. Partys seien ausgefallen, darum habe man sich noch schnell im FHH angemeldet).

Die Gespräche am Samstag habe ich sehr positiv wahrgenommen: großes Interesse, interessierte Fragen, enorme Beteiligung an den Gesprächen, lebhafte Rückfragen, nicht erwartetes religiöses und politisches Wissen. PAX CHRISTI war für sie interessant, zahlreiche Fragen im Seminar und in den Pausen belegen das. Irritiert hat mich, dass in den Berichten der RückkehrerInnen ein nicht geringer Anteil ihres Auslandsaufenthaltes mit „einfach abhängen" angeben wurde. Auf meine Zwischenfrage „Wat is dat dann?" die Antwort: „Einfach die Zeit rumkriegen".  Die genauen Auswertungen durch die TeilnehmerInnen machen mir Mut. Und: die Nachfragen zu diesem Informations-Bereich sind enorm.

Viel mehr Teilnehmende hätte ganz sicher auch der Gesprächs-Abend mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusse im deutschen Bundestag Ruprecht Polenz MdB am 5. Juni verdient. Das Thema war: „Ist ein KSZE-Prozess für den Nahen Osten denkbar?" Am Tag vor der Veranstaltung hatte das Büro Polenz den Termin abgesagt. Es war zuvor mit allen meinen Erläuterungen über Thema und Ablauf etc. sehr einverstanden. Mein sofortiger Anruf im Berliner Büro ergab einen Rückruf um 15.30 h. Und Polenz kam - und war sauer: für eine erweiterte Vorstandssitzung habe er keine Zeit und so. Die Freude, seinen alten Mitstreiter aus dem Studentenparlament (Michael F.) wieder zu treffen, löste seine anfängliche Sauerkeit auf. Ruprecht Polenz hat sich im übrigen angeboten, mit uns über den Iran zu sprechen, den er sehr gut kenne. (Zum gesamten Abend vgl. den Bericht von Roger Reinhard in der „pc-Korrespondenz" 2/2009)

In diesem Zusammenhang stelle ich mir häufiger die Frage, ob es nicht sinnvoller wäre, öffentliche Veranstaltungen aus Münster, der publikums- und veranstaltungsverwöhnten, Provinzialhauptstadt, in andere Orte zu verlegen, wo sie ein Ereignis sein können und vielleicht auch größeren Zuspruch finden. Vielleicht dort die Veranstaltung und gemeinsam mit kirchlichen Gruppen vor Ort und der VHS?

V.

Da PAX CHRISTI Schule machen muss, freue ich mich immer ganz besonders über Einladungen zu Schul-Besuchen. Und in zahlreichen Schulen im ganzen Bistum war ich wiederum im Berichtsjahr als Euer Friedensarbeiter als Gast im Einsatz. An Vorbereitungen kommen da immer auf mich zu: Gespräche mit LehrerInnen oder SchülerInnen Strukturierung des Unterrichtes, Materialzubereitungen.

Die Themen- und Aufgabengebiete waren diesmal (auch aufgrund der breiten Berichterstattung in den lokalen Zeitungen): Judenmorde in Riga, Bericht über unsere Fahrt. Ich konnte viele Fotos zeigen. Das Interesse der SchülerInnen war gewaltig. Erstaunlich, wie groß das Interesse der SchülerInnen an diesem Stück Deutscher Geschichte ist.

Am 29.1. war ich in einem Bocholter Gymnasium. Da war das Thema „Riga" weitenteils überlagert von der unglücklichen Aufhebung der Exkommunikation der 4 reaktionären Bischöfe durch den deutschen Papst. Diese Ereignisse um die Aufhebung der Exkommunikation der   Pius-Bruderschaft spielten bei zwei weiteren Schulbesuchen eine große Rolle, zumal das Thema die Shoa war.

Aber auch andere Themen waren gefragt: „Was macht eine christliche Friedensbewegung?", „Was ist Friedensarbeit konkret?"  Auch hier wiederum: das Interesse an den Themen (auch am Referenten) war groß, die Teilnahme der durchweg aufgeweckten SchülerInnen an den Unterrichtsgesprächen sehr positiv erfrischend.

Bei anderen  Schulbesuchen waren die Themen: Ächtung aller Massenvernichtungsmittel / die Geschichte der Friedensbewegung in der BRD und der DDR / wer und was ist und macht PAX CHRISTI / PAX CHRISTI als kath. Verband / Werte- und Gewissensbildung bei jedem Einzelnen und in unserer  Gesellschaft / Pazifismus und Bergpredigt / Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst / Friedensvorstellungen in der darstellenden Kunst / Lebensorientierungen und authentisches Leben / freiwillige Friedensdienste im Ausland / Vorbilder für Frieden und Aussöhnung / entgrenzter Friedensbegriff: d.h. Handlungsansätze - Engagement für jedermensch / Gewalt = strukturelle Gewalt.

Wenn das Interesse an einer Mitarbeit in PAX CHRISTI so groß wäre wie das Interesse der SchülerInnen im Unterricht, dann könnten wir getrost in die Zukunft blicken.

VI.

Zahlreich sind nach wie vor die Beratungen für Kriegsdienstverweigerer. Und immer wieder auch Reservisten und immer wieder dann geschickt von ihren Ehefrauen. Bei den mündlichen Verhandlungen habe ich manche vor die Ausschüsse in Dortmund, Münster und Wesel begleitet.

Vermehrte Beratungen von Kriegsdienstverweigerern stehen immer zu den Einberufungstermin im Kalender. Probleme gibt es, weil die jungen Leute immer häufiger taktisch Bescheide abwarten, weil sie klammheimlich hoffen, vergessen oder übergangen zu werden. Oder auch ausgemustert. Die Gespräche sind immer sehr zeitintensiv und finden im Büro und/oder bei mir am Nonnenweg in Stadtlohn  statt. Häufig sind die Antragsteller christlich motiviert, wozu sie sich aber - fast schamhaft - erst auf mein bohrendes Nachfragen äußern. Schwierig war die Situation mit einem Zuwanderer aus Polen, der sämtliche Fristen hat verstreichen lassen. Ich bin mit ihm als Beistand ins zuständige Kreiswehrersatzamt nach Wesel gefahren. Im Ergebnis war dieser Besuch für den KDVer positiv.

Meine Strenge mit den Antragstellern (Lektüre und Auseinandersetzung mit der Bergpredigt, Auseinandersetzung mit dem Buch Albert Schweitzers „Die Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben" - und dann sprechen wir beim zweiten Treffen darüber) wird am Ende von ihnen positiv bewertet.

Auch auf Empfehlung aus dem Generalvikariat kommen Antragsteller zu mir.

VII.

Leider ist wie im Jahr zuvor auch der Flüchtlingstag 2008 ausgefallen. Es gab wiederum zu wenige Anmeldungen. Annette und ich waren dann übereingekommen, mit gleichem Thema und gleichem Referenten noch einmal einen Versuch im Frühjahr 2009 zu machen. Frau Tieben (Caritas) und Herr Sonka (Generalvikariat) stimmten dem zu. Am 13. März 2009 startete dann der zweite Anlauf im Liudgerhaus als Abendveranstaltung. Es hatten sich 28 Teilnehmende angemeldet, es waren an die 40 da. Der Versuch zu dieser Abendveranstaltung scheint geglückt. Das Echo - auch auf den Referenten Karl Kopp, Sprecher von pro asyl  - war durchweg sehr positiv.

Festgemacht ist jetzt für den nächsten Flüchtlingstag der 5. März 2010. Diesmal mit dem  Referenten Rupert Neudeck.

VIII.

Es ist mein Arbeits-Stil, alle Dinge, die auf dem Tisch liegen, umgehend und zügig zu  erledigen - und nichts zu verschieben, auf die lange Bank schon gar nicht. Soweit es geht, versteht sich. Dazu gehört z.B., dass

  • die Lobbyarbeit bei Politikern z.B. mails und Briefe an Politiker im Bistum und Berlin natürlich weiterging, z.B. zu „Stoppt das Sterben an den EU-Grenzen" oder an den Präsidenten des Deutschen Bundestages und an alle sieben Fraktionsvorsitzenden im Parlament in Sachen „Weiter so in Afghanistan". Dazu kam vor Tagen die Meldung vom Petitionsauschuss des Deutschen Bundestages, unsere Eingabe habe sich mit den Entscheidungen des Parlamentes erledigt. Eingegangen war kürzlich ein Schreiben vom Petitionsausschuss des (alten) Deutschen Bundestages zum Einsatz der Bundeswehr im Ausland. Ohne Anrede zwar, aber immerhin 6 Seiten lang. Im Ergebnis: „Der Petitionsausschuss empfiehlt das Petitionsverfahren abzuschließen, da dem Anliegen nicht entsprochen werden konnte."
  • die SprecherInnengruppe ausführlich über wichtige Projekte anderer Bistumsstellen informiert worden ist
  • regelmäßig die Erklärungen von PAX CHRISTI an alle Medien des Bistums gehen
  • ich mir für Besucher im Büro viel Zeit nehme und niemand das Gefühl haben kann, schnell „abgefertigt" zu werden
  • sehr viele Texte per elektronischer Post an PAX CHRISTI und -Interessierte geschickt wurden
  • etliche Anfragen nach Meditationstexten schnellstmöglich beantwortet waren usw. usw.

IX.

Und da war natürlich unsere Rigafahrt ein ganz herausragendes Ereignis im Berichtsjahr. „Eine mehr als eindrucksvolle Reise" überschrieb Eberhard Ockel seinen Bericht über diese Fahrt auf den Spuren der Shoa in Riga. Wir von PAX CHRISTI waren übrigens der erste katholische Verband aus dem Bistum, der zu den Massengräbern der ermordeten Juden aus dem Bistum Münster gefahren ist. 19 Teilnehmende. Fast alle waren Lehrer, teils noch im Dienst, teils schon außer Dienst. Gesponsert wurde diese Fahrt von Weihbischof Ostermann, dem wir unseren herzlichen Dank schulden! (vgl. dazu den ausführlichen Bericht von Eberhard Ockel in der „pc-Korrespondenz 3/2008)

Für mich waren viele Kleinigkeiten und unzählige Einzelheiten für die Fahrt nach Riga zu klären und zu organisieren. Anstelle eines Vorbereitungstreffens haben alle Teilnehmenden ein umfangreiches Informationspaket erhalten: 58 Seiten, um sich auf die Fahrt gut vorbereiten zu können.

Die Riga-Fahrt war natürlich der Schwerpunkt im Berichtszeitraum. Nur so viel hier: alles ist so verlaufen, wie es in meinem Kopf (und nicht nur dort) vorbereitet war. Wir haben das Programm, so wie ich es häufiger der SprecherInnengruppe vorgestellt habe, in allen Einzelheiten gemacht. Ich selber war über das durchweg sehr positive Echo aller Teilnehmenden erfreut und gerührt über die nachträglichen mails und Fotos und Geschenke etc.

Zu diesem guten Gelingen hat natürlich der gute Zusammenhalt der ganzen Gruppe - und die Freundschaftlichkeit in ihr sehr positiv beigetragen. Auch dass wir durch diese Fahrt zwei neue Mitglieder gewinnen konnten, spricht für diese Unternehmung. Ich denke, dass gemeinsame PAX CHRISTI-Fahrten uns und unserer gemeinsamen Sache sehr gut tun.

In den zwei Wochen nach der Rigafahrt habe ich Pressegespräche gehabt mit „Münsterlandzeitung", „Borkener Zeitung"„wdr-Münster". Von der Kirchenzeitung war der stellv. Redaktionsleiter zu einem ausführlichen Gespräch im Büro. Wie versprochen hat er in der Ausgabe von KuL zur Pogromnacht am 9. November einen ausführlichen Bericht veröffentlicht. Ich denke mir, dass er ein guter Ansprechpartner für uns bleiben wird. Auch das Echo in der lokalen Presse war sehr gut: in Recklinghausen, Marl, Kreis Borken, Coesfeld, Münster. Gisela berichtet von einem großen Interesse älterer sowie jüngerer Bürger, die hierzu Gespräche suchten. Ich hatte nach der Fahrt mehrere Einladungen zu Schulbesuchen erhalten. Die Stationen der Riga- Fahrt wurden ins Politische Nachtgebet eingebaut.

Das Nachtreffen der Riga-Mitfahrenden am 23. Januar 2009 in Emsdetten war sehr harmonisch und gelungen wohltuend. Rudolf Schulzebertelsbeck hat Dias gezeigt, ich Personenfotos, darunter Ferdis „urbi et orbi" am Sonntagmittag vom Turm der evangelischen (!) Kirche in Sigulda. Ferdi sprach ein geistliches Wort. Es gab natürlich viel zu erzählen.

Und unsere Riga-Fahrt wirkt(e) nach:

Am 2. November 2008 war ich zu Besuch in Recklinghausen bei Bernhard Lübbering und habe auch am Gottesdienst zu unserer Rigafahrt teilgenommen.

Zu erwähnen ist sicherlich, dass inzwischen auch mit der Hilfe von PAX CHRISTI mehrere Orte dem Riga-Komitee beigetreten sind: Vreden, Coesfeld, Warendorf, Recklinghausen, Marl, Haltern. Am 5. März 2009 die Stadt Recklinghausen in einem würdevollen Festakt. Ich war eingeladen und auch im Recklinghauser Rathaus anwesend. Sehr beeindruckend dabei die Ausführungen des Riga-Überlebenden Herrn Abrahamson. PAX CHRISTI wurde vom Bürgermeister als wesentliche Antriebskraft gewürdigt. Am Rande ein Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt Haltern, die demnächst ebenfalls dem Riga-Komitee beitreten will. An den feierlichen Unterzeichnungen der Urkunden in Vreden und Coesfeld habe ich ebenfalls teilgenommen.

Festzuhalten bleibt auch, dass es Schulfahrten aus Recklinghausen nach Riga geben wird.

X.

Zu unserer Gedenkfeier zum Shoatag 2009 am 27. Januar in Vreden kamen nur 50 Teilnehmende - immerhin, aber so wenig wie noch nie. Eine Ursache sicherlich: es gab 2 Ankündigungen für die Veranstaltung in der Lokalzeitung mit 2 unterschiedlichen Anfangszeiten der Gedenkfeier. Auch sonst gab es manche Pannen, die aber von den Teilnehmenden nicht alle bemerkt wurden. Mein Plädoyer, schon zu Jahresbeginn einen Rückblick auf die Veranstaltung mit der ersten Planung für die nächste zu verbinden, um nicht in Verdrückung zu kommen, hat Früchte gezeigt. Der Vorbereitungskreis kennt jetzt auch den Vorsitzenden des Gemeinderates, der Bürgermeister beteiligt sich an der Gedenkstunde. Ich habe die Zeitzeugin Erna de Vries aus Lathen (überlebte das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau einen Tag vor ihrer Vergasung, überlebte das Frauen-KZ Ravensbrück) für die Gedenkfeier am 27. Januar 2010 nach Vreden einladen können. Der Vredener Madrigalchor wird musikalisch mitgestalten.

In diesem Zusammenhang: Am 27. Januar 2009 gab es mehrere anfragende Anrufe nach der päpstlichen Aufhebung der Exkommunikation auch gegen den öffentlichen Holocaustleugner Bischof Williamson. Ich habe dabei auf die sehr schnelle Erklärung von Hennes Schnettler verwiesen, die ich auch auf unsere homepage ins Internet gestellt habe. Erfreulich, dass so viele Menschen die Petition Vaticanum II unterschrieben haben, darunter viele PAX CHRISTI-Mitglieder, auch aus unserem Bistum. Zur Kontroverse um die Piusbruderschaft habe ich zahlreiche Dokumente an einen großen Verteilerkreis verschickt und von vielen unserer Mitglieder Dankesschreiben erhalten. Sie fühlten sich gut informiert. Diese Kontroverse führte auch zu zahlreichen Telefonanrufen im Büro.

Im Anschluss an die Delegiertenversammlung zu Kevelaer habe ich in der ehemaligen Coesfelder Synagoge an der Gedenkfeier zur Reichspogromnacht teilgenommen. Sehr gelungen, gute Berichte zur Rigafahrt von Theo und Rudolf, vor allem auch ausgezeichnete Musikbeiträge.

Die Fahrt mit Jüngeren (durchweg Studierende) nach Auschwitz und Krakau fand vom 19. bis 25. September 2009 statt. Veranstalter waren: PAX CHRISTI-Bistumsstelle Münster, KSHG Münster und KHG Koblenz. Mehrere Vorbereitungstreffen waren vonnöten. Sehr viele Einzelfragen waren von mir zu klären. In meinem Urlaub noch habe ich einen sehr kompakten Vor- und Nachbereitungs-Reader für die Teilnehmenden zusammengestellt.

Samstag - Dienstag: Oswiecim, Auschwitz und Birkenau. Dienstag - Freitag: Krakau. Mit 23 Teilnehmenden war die Fahrt ausgebucht.

Das war eine sehr gute und sehr wichtige Unternehmung - für die Teilnehmenden und sicherlich auch für PAX CHRISTI. Gemeinsame Gottesdienste haben wir im „Centrum für Dialog und Gebet" mit unserem mitreisenden mexikanischen Priester Juan Carlos und dann mit der Gemeinde in Nowa Huta gefeiert.

Organisatorisch klappte alles wunderbar bis auf die Stadtführung in Oswiecim, die ich dann auch noch zu übernehmen hatte, nachdem der von Manfred Deselaers beauftragte Praktikant erst gar nicht zur vereinbarten Zeit und zum vereinbarten Ort erschienen war und dann auch telefonisch absagte. Probleme gab es mit diversen Krankheitsfällen und ich bin erleichtert (und auch wohl erschöpft) am späten Freitagabend nach Hause gekommen.

Die Aufenthalte im Stammlager Auschwitz (an diesem Sonntag völlig überfüllt, wir haben dennoch unsere 5 Stationen gemacht und uns nicht ablenken lassen) und vor allem im Vernichtungslager Birkenau waren für alle Teilnehmenden bewegend. Ich hatte dort allein 11 Stationen mit Psalmen und Texten und Blumen und Kerzen vorbereitet. Die Teilnehmenden sagten bei der abendlichen Reflexion, dass vor allem diese vorbereiteten Stationen auf dem riesigen Gelände ihnen immer wieder nahe gebracht hätten, wo sie eigentlich gewesen seien. Interessant fand ich, dass die Jüngeren offensichtlich einen ganz anderen Zugang zu Auschwitz haben. Sie waren z.B. selber sehr verwundert darüber, dass ihnen weder beim Rundgang noch bei den Stationen Tränen gekommen seien. Vielleicht hat der Filmtitel doch recht: „Am Ende kommen nur noch Touristen". Die Frau, die uns durch das Stammlager und das Vernichtungslager führte, war von unserer Art des Besuches mit den vielen Stationen sehr beeindruckt und sagte mir, dass sie etwas Erhebendes und zu Herzen Gehendes bislang noch niemals erlebt habe. Sie war uns sehr dankbar dafür. Auch diese Fahrt wurde von Bischof Ostermann finanziell unterstützt, so dass sie für die Studierenden gut finanzierbar war.

Angefragt war ich, eine Rede zum Volkstrauertag in Nottuln zu halten. Ich hatte ihr den Titel „Weltgeschichte von unten sehen - Zivilcourage statt Militärcourage" gegeben. Die Rede/Ansprache fand ein durchweg positives Echo. Der Bürgermeister (ich vermute kein Schwarzer) war ganz begeistert und angetan. Ich habe sie vielfach verschickt, viele Empfänger haben sie vervielfältigt und weitergegeben. Es gab eine Reihe von anerkennenden Reaktionen. Ein besonders schönes Echo kam von einem Pfarrer am Niederrhein, der die Rede mehrfach gelesen hatte und sie „ganz ausgezeichnet" fand und sich dafür bedankte. Für mich war es ungewöhnlich, angesichts auch von Kriegsveteranen mit der Fahne zum Ersten Weltkrieg diese Ansprache zu halten. Für die Veteranen war es ungewöhnlich, solche Rede zu hören. Die zahlreich vertretene Friedensinitiative Nottuln war sehr beeindruckt. Und wenn schon Veronika die Rede sehr gut fand und Ferdi mir schrieb, er könne jedes Wort unterschreiben ........

XI.

Und auch das gehört zu einem Bericht: wenn Kurt Tucholsky mal die Frage wagte: „Aber wo bleibt denn das Positive?" - dann frage ich: Wo gab es Enttäuschungen?

Ja die gab es auch:

  • als Presseerklärungen zu Nahost und anderem an Presse, Pressedienst des Bistums, Kirche und Leben", wdr gegangen, aber immer wieder nichts veröffentlicht wurde und nirgends
  • Die geplante Fahrt zu Erinnerungsorten des Faschismus (Tatorte & Orte des Widerstandes) vom 10.-14. Juni 2009 nach Berlin ist ausgefallen. Die paar Tage hätten den Teilnehmenden ca. 400 € gekostet. Michael Rösch und ich hielten das für nicht zumutbar. Bei günstigeren Unterkunftsmöglichkeiten in Berlin wollen wir diese Unternehmung erneut anbieten.
  • Übertroffen wurden alle kleinen Enttäuschungen allerdings durch das geplatzte deutsch-polnisches Jugendtreffen geplant vom 31.07. - 09.08.2009. Ich hatte so etwas wie einen kleinen Frust - und konnte und kann doch dieses Wort eigentlich gar nicht buchstabieren. Da waren sehr rechtzeitig Terminvormerkungen in die Wege geleitet, da gab es von der Jugendburg Gemen einen unterschriftsreifen Vertrag zu äußerst günstigen Bedingungen. Mehrfach hatte ich einen Programmvorschlag den Wünschen und Anregungen der SprecherInnenngruppe angepasst, Adrian Fijolek (ein junger Pole, den ich über die Oldenburger Gruppe kennen lernte) war sehr eifrig in die Programmvorbereitungen eingebunden und und ... und keine einzige Anmeldung von keinem deutschen Interessierten! Der Preis für die Teilnehmenden war so günstig wie nie, Programmzettel waren an Schulen und Verbände gegangen - und keine einzige Anmeldung eines deutschen Teilnahmewilligen.

Aber: Resignation ist überhaupt kein Gesichtspunkt! Und hat nicht sogar Ernst Bloch, der Ver­künder des Prinzips Hoffnung, sich gegen das bloße Wunschdenken gewendet und allein die docta spes, die sinnvolle, mach­bare, in Ansätzen und im Verborgenen schon vorhandene, nur noch nicht durch­gesetzte Vorstellung im Engagement für eine bessere Wirk­lichkeit anerkannt?

XII.

Erwähnt sei auch, weil sehr viel Arbeit darin steckte: unsere Internetseite kann sich jetzt unbedingt sehen lassen. Übersichtlich, aktuell und mit interessanten Dokumenten. Die SprecherInnengruppe ist mit Adressen vermerkt und als Clou: sogar mit einem kleinen Stadtplan, wie mensch die einzelnen findet, wenn mensch will. Ohne Mithilfe von Christoph Wickert (nicht verwandt oder verschwägert mit dem Ulrich) wäre das nicht möglich gewesen.

Erwähnenswert ist, dass ich auch im Berichtsjahr hin und wieder PAX CHRISTI-Mitglieder als Gäste bei mir am Nonnenweg inmitten von meinen (zu) vielen Büchern beim guten Wein begrüßen durfte. Am 25. Juli hatte sich auch wiederum der zeithabende Rest der PAX CHRISTI-Hochschulgruppe bei mir zum Essen und Wein eingestellt. Und natürlich haben wir auch viel erzählt und diskutiert. Inzwischen gibt es wieder eine Hochschulgruppe, die sich regelmäßig immer mit mehr als 10 Leuten in der KSHG trifft.  

Erwähnt sei nicht minder eine Einladung aus dem Stadtdekanat Münster,  dass wir uns zum 70. Jahrestag des Kriegsbeginns 1939 am Friedensmonat in Münster beteiligen sollten. Das Motto „70 Jahre Kriegsbeginn - an den Krieg erinnern, den Frieden bewegen". Wir haben Vorschläge erörtert und eingebracht. Aber dann kam Vieles doch ganz anders.  Die Verantwortlichen für den Friedensmonat September in Münster (federführend das Friedensforum Münster) haben eine merkwürdige Terminplanung gemacht. Erst am Tag vor dem sog. Friedensmahl kam die Einladung dazu. Bis dahin wusste man nicht, wann das denn stattfinden solle. Desgleichen kamen alle speziellen Einladungen 1-2 Tage vorher. Eine rechtzeitige Information möglicher Interessenten war überhaupt nicht möglich.

Erwähnt sei zudem, dass mehrfach SchülerInnen und StudentInnen ins Büro kamen, die Referate und Hausarbeiten über PAX CHRISTI (einmal über die Friedensbewegung PAX CHRISTI, andererseits über die vielfältige Friedensarbeit von PAX CHRISTI in unserem Bistum) zu verfertigen hatten. Ich nehme mir auch dafür natürlich gebührend Zeit.

Verschwiegen werden soll auch nicht dies: Eine Lehrerin aus Herten bat um Tipps und Hilfestellungen für eine geplante Schulfahrt nach Auschwitz im nächsten Jahr. Es war ein gutes und ausführliches Telefonat, wofür sie sehr dankbar war. Der junge Gertz jr. aus Herten hatte wochenlang in ihrer Klasse von der Fahrt mit PAX CHRISTI nach Auschwitz und Krakau erzählt und geschwärmt und so den Anstoß zur jetzt geplanten Polenfahrt gegeben.

XIII.

Natürlich ist es, vom Friedensarbeiter auch besondere inhaltliche Vorstöße in die SprecherInnengruppe zu bringen. Ich habe das aus tiefster Überzeugung und mit Vergnügen getan.

a) Den Aufruf zur Verweigerung aller Kriegsdienste wegen des geänderten Auftrages der Bundeswehr. Mehrfach haben wir uns darüber unterhalten und auch heftig diskutiert. Hier sahen wir die Chance, öffentlichkeitswirksam auch in das Bewusstsein junger Leute zu treten. Nach mancherlei Textänderungen wurde diese Erklärung der SprecherInnengruppe zur Verweigerung aller Kriegsdienste verschickt an: BDKJ, kfd, Kolping, KAB und CAJ. Bislang haben geantwortet: BDKJ (kein Interesse), kfd (andere Probleme). Mein Eindruck: beide haben unser Anliegen nicht richtig verstanden. Kolping, KAB und CAJ haben bislang ganz einfach tapfer geschwiegen und sich nicht zurückgemeldet. Auch die Medien haben vollends geschwiegen. Der Pressedienst des Bistums stellte sich taub und auch von einem Interview mit der Kirchenzeitung, das Hermann einstielen wollte, habe ich weiter nix gehört.

b) Und dann war da auch der Vorschlag von Ansgar Ahlbecht zur Karfreitagsliturgie „Der Juden gedenken anstatt für sie zu beten", der sowohl bei der Delegiertenversammlung als auch in einem Politischen Nachtgebet eine Rolle spielte. Leider haben auch hier die Medien geschwiegen. Mit Ansgar Ahlbrecht stehe ich seitdem in einem regelmäßigen engen Kontakt.

c) ein neues Projekt habe ich der SprecherInnengruppe vorgeschlagen. Einstimmig hat sie dieses Projekt beschlossen und damit jetzt auf den Weg gebracht: den Johannes XXIII-Preis.

Um mehr Aufmerksamkeit auf PAX CHRISTI im Bistum Münster zu lenken und PAX CHRISTI also im Bistum bekannter zu machen, habe ich vorgeschlagen

1. Die PAX CHRISTI-Bistumsstelle Münster schreibt einen Johannes XXIII-Preis aus.

2. Der Preis wird jährlich verliehen an Personen, die die Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils weiterentwickeln und weiterdenken und in ihrem Engagement dem Frieden, der Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung verhaftet sind - im Gedenken der Menschenfreundlichkeit des großen Papstes Johannes XXIII.

3. Die Auswahl der Preisträger trifft ein Kuratorium, in dem PAX CHRISTI vertreten ist, aber nicht unbedingt die Mehrheit haben muss. In diesem Kuratorium könnten vertreten sein: z.B. Weihbischof Ostermann, Uli Jost-Blome, Sebastian Aperdannier, Studentenpfarrer, Vertreter der KSHG, Vertreter des BDKJ, Ferdi, Bernhard Lübbering, Norbert Mette, Geistlicher Beirat PAX CHRISTI, Friedensarbeiter

4. Der Preis besteht aus einer Urkunde und einer Bronze-Statuette von Johannes XXIII.

5. Der Preis wird in einer öffentlichen Feierstunde vergeben.

Zur Vorbereitung und zum Start dieses Preises habe ich eine Friedensfahrt unserer Bistumsstelle im Jahr 2010 vorgeschlagen (Fahrten verbinden und werben für uns):

  • - Station: Bergamo - Sotto il Monte: Geburtsort des Friedenspapstes Johannes XXIII., Geburtshaus, Wohnhaus, Taufkirche, Vorstellung des Projektes beim ehem. Privatsekretär des Roncalli-Papstes, gem. Gottesdienst in der Kirche „PACEM IN TERRIS"
  • - Station: Mailänder Dom
  • - Station: Friedenspark und Friedenskirche in St. Anna, Treffen mit der Jugendgruppe „Franz Jägerstätter"
  • - Ausflug nach Lucca und/oder Sienna
  • - Station: Assisi

Die Fahrt ist geplant für die Herbstferien NRW 2010.

XIV.

Ein nicht unwichtiger Bestandteil meiner Arbeit ist auch meine Mitwirkung bei der Erstellung unserer Bistumszeitschrift „Korrespondenz" gewesen. Die Arbeit in der übersichtlichen Redaktion (Gisela, Marga, Ferdi und ich) macht mir großen Spaß. Ja, sie ist sehr angenehm und fruchtbar. Wir arbeiten in freundschaftlicher Atmosphäre sehr sachorientiert und kompakt zusammen. Meinungsverschiedenheiten werden kollegial geklärt. Umso bedauerlicher ist es, dass die Hälfte der Redaktionsmitglieder nun ausscheiden will: Gisela wegen Arbeitsüberlastung, Marga aus gesundheitlichen Gründen. Es ist klar, dass bei mir ein wesentlicher Teil der Arbeit verbleibt: Zusammenstellen der Beiträge, nachdem sie „eingetrieben" sind, Suche nach passendem Bildmaterial, Zuordnung der Bilder, Verhandlungen mit unserem sehr zuverlässigen Layouter Arnd.

Unsere „Korrespondenz" ist auf Bundesebene mit Abstand die beste und ansehnlichste Mitgliederschrift. Das ist ohne Übertreibung so. Und das Echo unserer Mitgliedschaft auf bislang alle Ausgaben ist durchweg sehr positiv.

In diesem Zusammenhang darf eine Begebenheit nicht untergehen: Da kam plötzlich und unerwartet ein Anruf von PAX CHRISTI-Mitglied Maurus aus Damme (Kinder- und Jugendtherapeut). Ein längeres Gespräch. Er leitet einen Vorbereitungskreis für die Gestaltung von Gottesdiensten. Sozusagen ein „frommer Kreis" von 5 Leuten. Und da kam unsere letzte „Korrespondenz", die er wie immer gut studierte. Und diese Ausgabe mit der Kritik an der Bundeswehrstrategie hat ihn elektrisiert und mit ihn den ganzen Kreis. Sie haben das Thema gleich im Gottesdienst aufgegriffen. Und sie wollen weiteres Material und daran arbeiten. Der „fromme Kreis" also (auch) durch die „Korrespondenz" politisiert. Er hat auch von einem Bekannten erzählt, der Berufsoffizier ist. Mit ihm hat er auch über unsere Beiträge geredet. Der bestätigte unsere Analysen und sagte, dass er finanziell von seinem Dienst jetzt abhängig sei, aber auch er plädiere für eine totale Verweigerung aller Kriegsdienste. Das umso mehr, als er seine eigenen Erfahrungen in mehreren Auslandseinsätzen im völligen Widerspruch zu den offiziellen Darstellungen sehe. Unterm Strich: ein tolles Echo auf unsere Korrespondenz.

XV.

In die Rubrik Verschiedenes gehört, dass ich auch schon mal Freizeit habe für Gartenarbeit, Hausputz, Musik und Bücherlektüren und so....und dann und wann eine Zusammenstellung einer Buchveröffentlichung, diesmal  für Bernhard Lübbering zum 30jährigen Bestehen von Gastkirche und Gasthaus zu Recklinghausen, das im November 2008 im Dialogverlag Münster erschienen ist. Ich könnte mir denken, das wird ein Standardwerk zur „Citypastoral" unter dem Titel: „Nehmt Neuland unter den Pflug!" (Hos 10,12)

Die Dienstgespräche mit meiner Ansprechpartnerin Gisela sind immer in sehr kollegial-freundschaftlicher Atmosphäre im stets sehr gastlichen Haus Hinricher in Coesfeld gewesen - ein paar Stunden auf dem Weg ins Büro nach Münster, gestärkt durch ein sehr gesundes aber auch genussvolles Mittagessen.

Der Umzug des Büros der Bistumsstelle Münster von der Frauenstraße zum Breul kam plötzlich und unerwartet. Er war für mich ohne Auto, dafür aber mit sehr schmerzhafter Schultersteife weiß Gott kein Vergnügen. Ich sag mal so: kollegiale Kooperation stelle ich mir anders vor! Wenn ich dies schreibe, ist immer noch nicht klar, ob wir am Breul einen oder zwei Räume haben. Die Kisten und Kartons warten auf eine Klärung. Ich erfahre einfach nichts. Ich kann eine Woche nach dem Umzug z.B. nicht telefonieren und das Internet geht auch noch nicht.   

XVI.

Abschließend soll vom Dank die Rede sein.

Johann Wolfgang von Goethe sah den eigentlichen Wert des Lebens darin, dass es Gelegenheit zum Dank gibt: „Nur weil es dem Dank sich eignet, ist das Leben schätzenswert". So danke ich allen SponsorInnen für die Fortführung meiner Arbeit, die ich nach wie vor sehr sehr gerne tue. Ich sehe darin auch eine Anerkennung meiner Arbeit, dass das Geld für meine 50 Prozentstelle zusammenkommt.

Dank allen in der SprecherInnengruppe, der ich gut zuzuarbeiten bemüht war und bin - und in der ich mich sehr wohl fühle und sehr freundschaftlich angenommen - und in der ich immer wieder lernen kann, dass mit dem Wort umzugehen wirkliche Schwerstarbeit ist oder sein kann.

Manchmal wird sie zur Freude, wenn man erlebt, wie Sprache sich uns schenkt. Aufs Wort setzen. Sein Wort halten. Eine Frage aufwerfen. Eine Antwort wagen. Rückfragen aushalten. In der Hoffnung aufgehoben sein. Vertraut werden im Gleichnis. Angenommen sein im Gespräch. Sich verstehen lernen in einem Buch. Geschenkt ist ein Name. Berührt hat ein Vers. Getröstet hat ein Lied. Gelockt hat ein Ruf. Vernichtet hat ein Urteil. Entschlüpft ist ein Satz. Zerstört hat ein Schweigen. Aufgeweckt durch eine Rede. Zerrissen durch einen Schrei. Beruhigt durch ein Flüstern. Ein Wort öffnet. Ein Wort löst. Ein Wort erlöst. Ein Wort gibt Atem. Eine Zeile geht mir nicht aus dem Sinn. Ein schneller Satz enteilt. Ein unnützes Wort macht die Runde. Es fällt ins Bodenlose. Ent-Schuldigung und Richtig-Stellung bleiben hilf-los. Ein Wort ist in die Welt entlassen - - Ja - sprechen ist so wunderbar wie gefährlich.

Ich habe auch im letzten Jahr vielmals lernen dürfen, vieles zu relativieren. „Sprache, Liebe und Verwurzelung machen den Menschen zum Menschen" - so Heinrich Böll. „Es fehlen den Menschen mitunter die Wurzeln, und das ist sehr übel für sie", sagt Antoine de Saint-Exupery im Kleinen Prinzen. „Es ist ganz einfach", sagt der Fuchs dem Kleinen Prinzen: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das wesentliche ist für die Augen unsichtbar".

In diesem Sinne: Dank für Eure Freundschaft! Und ich danke Euch für Eure Lebensbegleitung und auch für die Geduld - heute und auch sonst mit mir.

Ganz besonders möchte ich Ferdi danken, wenngleich nicht immer, aber meistens einer Meinung, so hat die Seelenverwandtschaft - immer auf der Seite der Schwächeren, Kritik an vielen herrschenden gesellschaftlichen und kirchlichen Zuständen, Hoffnung trotz alledem - stets gut alles getragen. Unsere Offenheit, Direktheit und Verlässlichkeit zu-  und aufeinander haben über das Dienstverhältnis hinaus ein freundschaftliches Verhältnis geschaffen. Für mich war er dienstlich und privat nicht nur Geistlicher Bei-Rat, sondern Geistlicher Rat-Geber und spiritueller Begleiter und Lehrmeister.

Dir, lieber Ferdi, meinen sehr großen Dank! Der Kontakt zueinander wird weitergehen, da bin ich sicher - bei unserer „Korrespondenz" - bei anderen Korrespondenzen.  

Fertiggestellt am 14. September 2009

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Gedruckt am Di, 07.09.2010 | 16:43:32 Uhr, aus http://www.muenster.paxchristi.de
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