Hoffnung ist keine Sache theoretischer Einsicht
oder gar einer Prognose -
es ist eine Sache des Handelns.
Rechenschaftsbericht des Friedensarbeiters Ernst Dertmann
Diözesanversammlung 24. September in Münster-Nienberge
Zu diesen Daten ist die Geistlichkeit im Bistum nunmehr gehalten, dieser historischen Daten zu gedenken. Dies eine kleine Sensation, deren Wirkung wir nicht unterschätzen sollten. Jedenfalls haben andere Bistumsstellen über den Erfolg unserer Unternehmung sehr gestaunt und uns zu diesem Erfolg beglückwünscht.
Um beim letzten Datum anzufangen: Unsere Veranstaltung zum 9. November in Münster findet wieder ein volles Haus. Gedenklesung eines autobiografischen Berichtes, mit Gitarren-Musik umrahmt. Erneut in den Räumlichkeiten des Kirchenfoyers Ecke Lambertikirche/Salzstraße. Erneut gemeinsam mit dem Kirchenfoyer eingeladen. Kurzfristig steigt die KSHG aus und erklärt: „das ist nicht unser Thema“, worauf ich nur antworten kann: „Schade!“
Auch in anderen Orten haben PAX CHRISTI-Gruppen Gedenkfeiern zur Pogromnacht 1938 vorbereitet und wesentlich mitgestaltet. Material hatte ich in manche Gruppen geschickt. In Coesfeld war ich auch im Berichtsjahr am 8.11. in der ehemaligen Synagoge mit einem eigenen Beitrag (Rigaprojekt) beteiligt.
Daß ich zu mehreren Schulbesuchen zum Thema „Reichspogromnacht 1938“ im Bistum unterwegs war, sei hier nur festgehalten.
Als Zeitzeuge für Frieden und Aussöhnung war Dr. Heinz Missalla am 10. November 2004 unser Gast. Ferdi Kerstiens hatte die Funktion des Interviewers übernommen. Kennzeichen auch dieses Abends: spannende Gespräche / Diskussionen über die Verstrickung der kath. Kirche in den Zweiten Weltkrieg. Wiederum waren über 40 Teilnehmende erschienen. Diese Reihe, die wir mit dem Franz-Hitze-Haus machen, zählt schon jetzt zu den erfolgreichsten Veranstaltungsreihen der Akademie und auch für PAX CHRISTI im Bistum.
Nach vielen Enttäuschungen und auch Ernüchterungen auf der Suche nach Gesprächs- und Bündnispartnern in den benachbarten Niederlanden bin ich mit Anna und Manfred Laumann am 25.11. erstmals in Enschede in der Friedenskirche gewesen: zu einem neuen Anlauf deutsch-niederländischer Projekte. Diesem ersten Treffen sind weitere gefolgt. Beteiligt: niederländische Friedensaktivisten, die „Oase e.V.“ (Gronau-Losser) und PAX CHRISTI, Bistumsstelle Münster. Aus mehreren Überlegungen für deutsch-niederländische Projekte stand sehr bald die Vorbereitung einer gemeinsamen Gedenkveranstaltung zum 60. Jahrestag des Endes Zweiter Weltkrieg auf dem Gelände der Oase, dem Standort unseres Versöhnungskunstwerks „von Angesicht zu Angesicht“ fest.
Die Vorbereitungstreffen zu unserem Neunten Politischen Nachtgebet am 3. Dezember mit dem Titel „Saure Trauben – stumpfe Zähne“ (Predigt Dr. Heinz Vokkert) standen im weiteren in meinem Kalender. Auch zu diesem Neunten Politischen Nachtgebet haben wir gemeinsam mit der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen e.V.“ eingeladen.
Sehr außergewöhnlich war im Dezember 2004 eine Einladung der IG-Metall-Bezirksleitung und des Betriebsrates der Firma Niessing in Vreden, am 23.12. an einer Demonstration gegen die Stillegung des Betriebes in Vreden im Zuge der Globalisierung teilzunehmen. So fiel - auch in den Medien - unsere PAX CHRISTI-Fahne an der Seite der KAB-Fahne und den IG-Metall-Fahnen vielen auf. Der herzliche Dank des Betriebsrates für meine Teilnahme hat mir sehr gut getan.
Für alle Veranstaltungen galt bislang: am meisten wurden am Ende der Veranstaltungen die Ausgangspunkte Kunstbilder und Märchen gelobt, mit denen ich in die Gespräche und Diskussionen einführte.
Apropos Kunst: Ja, es ist ja wahr, daß es von jeher die Aufgabe der Kunst gewesen ist, eine Nachfrage zu erzeugen, für deren volle Befriedigung die Stunde noch nicht gekommen ist. Ohne Kunst würde der Mensch das Essentielle des Menschseins verlieren. Wer Unsichtbares begreifen will, muß die Augen auftun und das Sichtbare wahrnehmen, wer in die Ferne denken will, muß beobachten, was nahe bei ihm, auf diese Erde, geschieht. Wer ausdrücken will, was in ihm lebt, der wird es in Bildern der äußeren Welt tun, eben weil die Seele und die Welt von denselben Bildern leben. Denn schöpferisch ist ein Mensch, der die Bilder seiner Seele in der sichtbaren Wirklichkeit zu spiegeln vermag. Und auch mein sanfter Zwang, von jedem Anwesenden eine Stellungnahme zu erbitten, ist nicht verworfen, sondern akzeptiert und am Ende gelobt worden. Z.B. zum Thema Sterbehilfe.
Und auch immer diese ähnliche Erfahrung: 45 Prozent der TeilnehmerInnen haben sich im nachhinein bei mir gemeldet. Geschrieben, angerufen, sind vorbeigekommen: in Münster, in Stadtlohn, hatten Nachfragen zu PAX CHRISTI, wünschten Informationsmaterial über uns, hatten spezielle Nachfragen zu speziellen Themenbereichen.
In einem sehr ausführlichen Gespräch mit Dr. Kinkelbuer vom Friedensforum Münster haben wir am 22. März im Büro Überlegungen zu gemeinsamen Aktivitäten zu einem Friedenstag im September in Münster angestellt. Erstmals ist PAX CHRISTI in diesem Jahr an dieser Friedenswoche beteiligt.
Etwas ganz außergewöhnlich ist die Einladung des Rotary-Club zu einem Vortrag am 23. März Vortrag in Greven über die Entgrenzung des Friedensbegriffes und die inhaltlichen Denk- und Arbeitsansätze von PAX CHRISTI gewesen. Das Echo war sehr positiv und groß auch das Interesse, auf Nullbasis blieb leider allerdings die auch erhoffte Finanzspritze für unsere Arbeit.
Apropos „Rotary“: gemeinsam haben z.B. Hans Dietrich Genscher, John f. Kennedy und Thomas Mann, daß sie Rotarier sind. Rotarier? Für manchen klingt das nach Geheimbund. Nach Elitezirkel. „Geheim“ stimmt nicht, Rotarier suchen die Öffentlichkeit. „Elite“, na ja, die Rotarier verstehen sich als ein Netzwerk von Führungskräften: jeweils nur 1 Vertreter eines Berufsstandes ist vertreten. Wöchentliche Treffen - Anwesenheitspflicht. Gemeinsames Essen und dann Vortrag und Diskussion zu irgendeinem Thema. Rotary, das ist eine weltumspannende Organisation, die als Serviceclub ein großes Rad dreht. Weltanschaulich nicht gebunden, überparteilich. Wahlspruch: „Selbstloses Dienen“. In Deutschland 42 700 Mitglieder in 14 Distrikten. Die Idee dazu wurde vor 100 Jahren geboren.
Vorbereitet habe ich ein Seminar im Franz Hitze Haus „Freiwillige Friedensdienste im Ausland“ am 15.-16.April - immer das Thema eines weiteren festen Standbeins im Jahresverlauf: als gemeinsame Veranstaltung von PAX CHRISTI, Franz-Hitze-Haus und Kinder- und Jugendseelsorger Bistum Münster. Die Einbindung dieser Freiwilligendienste in Friedensarbeit ist dabei immer mein Part wie die Moderierung der Erfahrungsberichte von RückkehrerInnen. Das sind immer Tagungen voller Engagement und Begeisterung. Die genauen Auswertungen durch die TeilnehmerInnen machen sehr großen Mut. Im Gefolge haben diese Veranstaltungen immer auch vermehrte Nachfragen nach Infomaterial über PAX CHRISTI. Im Büro habe ich zu Freiwilligendiensten im Ausland mittlerweile eine Reihe von Adressenlisten und Übersichten, die ich gerne an Interessierte weitergebe. Erstellt habe ich dazu auch einen Foliensatz - das Zauberwort heißt Powerpoint - „Freiwillig ins Ausland: welche Angebote gibt es?“, den ich als Diskette auch gerne an Interessierte weitergeben kann. Im übrigen sind auch kleinere Veranstaltungen zu diesem Thema sehr sinnvoll und bieten einen guten Einstieg für weitere Gespräche. Und: ich komme gerne in alle Gruppen. Auch dahin, wo es keine PAX CHRISTI-Gruppen, aber PAX CHRISTI-Lehrer und vereinzelte PAX CHRISTI-Menschen gibt.
In der Zeit zwischen den beiden Päpsten habe ich die beiden sehr umfangreichen Dokumentenbände mit allen Predigten, Texten und Erklärungen des Bischof Clemens August Graf von Galen durchgearbeitet und aus diesen fast 2000 Seiten auf 30 Seiten Exzerpte daraus für die SprecherInnengruppe zubereitet. Der Bischof von Galen und der Zweite Weltkrieg. Das war für mich sicherlich die bislang mühsamste und zeitaufwendigste Zuarbeit für die SprecherInnengruppe. Der Hintergrund: es stand eine Erklärung zu diesem - besonders in Münster - sehr heikel-sensiblen Thema an. Da wäre manch Lied davon zu singen: z.B. am 10. Mai 2005: heftige Sitzung des Sachausschusses „Gerechtigkeit, Frieden, Mission“. Grund: ich hatte das Thema Bischof von Galen und der 2. Weltkrieg zum Thema gemacht. Steine waren nicht vorhanden, sonst ...
Diese Erklärung und weitere Texte zu Bischof Clemens August sollten in der Korrespondenz veröffentlicht werden und die rechtzeitig zu den Bistumstagen anläßlich des 1200 jährigen Bistumsjubiläums erscheinen. Um den Finger auf diese Wunde (Kriegsbejahung von Galens) zu legen muß mensch sehr gut gerüstet sein und standhaft. Das Schuldbekenntnis ist der Preis der Hoffnung. Ohne ein Bekenntnis von Schuld kann Hoffnung nicht formuliert werden, kann Hoffnung nicht sein, steht immer in der Gefahr, in Ideologie, Verblendung, schönem Schein zu enden.
Ein unbelegbares Zitat hat mich auf eine intensive Forschungsreise geschickt. Einer übernahm das Zitat vom anderen mit unterschiedlichen Quellenangaben. Da war der Germanist in mir gefragt. Nach langem Suchen konnte diese Textstelle verifiziert werden und die SprecherInnengruppe konnte korrekt zitieren.
Diese in der Korrespondenz veröffentlichte Erklärung der SprecherInnengruppe habe ich vorab und unmittelbar an alle 8 Bischöfe in Münster verschickt. Bislang keine Antwort. Das große und tapfere Schweigen der Hirten. In einem zweiten Schritt habe ich allen kirchlichen Medien die Erklärung zukommen lassen (Kath. Nachrichtenagentur, Kirchenzeitung, Publik Forum, Pressedienst des Bistums etc.). Auch da: Stille im Getriebe. Nur eine kleine Notiz in PuFo. Im dritten Schritt sind alle weiteren Medien (Rundfunk und Fernsehsender, überregionale und lokale Zeitungen) „bedient“ worden. Nirgends und nichts ist veröffentlicht worden. Hautnahes erleben von Totschweigen. Nur das ZDF kam plötzlich und unerwartet am 31. August zu Filmaufnahmen ins Büro. Mein Statement soll in einem Film-Beitrag (wohl sehr gekürzt, wie ich mal so vermute) untergebracht werden. Sendetermin am 12. Oktober zur besten Sendezeit: 0 Uhr 5. Ach ja, und die „Frankfurter Rundschau“ wollte alle Texte haben. Haben sie natürlich jetzt.
Ähnlich ist es uns mit der Erklärung der SprecherInnengruppe zur Wahl und Amtseinführung Papst Benedikts XVI. ergangen. Ebenfalls an alle Medien gegangen. Ebenfalls keinerlei Veröffentlichung bekannt. Hier vermutet ich, daß das Thema für die Medien nicht mehr aktuell genug war.
Apropos „Korrespondenz“: Unübersehbar ist, daß die Korrespondenz - das wichtigste Informations- und Bindeglied der Bistumsstelle zu allen Mitgliedern unserer Bewegung - wieder regelmäßig erscheint. Und dies mit drei Ausgaben pro Jahr. In der Redaktion arbeiten Marga Bispinck, Gisela Hinricher, Ferdi Kerstiens und ich. Wir tagen regelmäßig vor den Sitzungen der SprecherInnengruppe und legen die Inhalte der nächsten Ausgabe fest, halten Rückblick auf die vergangene Ausgabe und teilen uns die Aufgaben. Ohne Übertreibung liegt die meiste Arbeit dann aber bei mir: Einholen der Artikel, Schlußredaktion und Zusammenstellen der Beiträge, Auswahl und Zuordnung des Bildmaterials. Verhandlungen mit dem Layouter und Übergabe des gesamten Druckmaterials. Neu ist im technischen Verfahren: ein junger Mitarbeiter Martin Jeschar aus Ahaus scannt das gesamte Bildmaterial ein, das ich für ihn ausgesucht habe. Daraus werden Foto-DC`s erstellt. Diese Fotos werden in unsere Fotosammlung im Computer übertragen, aus denen ich wiederum eine Fotoauswahl für die einzelnen Artikel auswähle und daraus eine eigene CD für den Layouter Arnd erstelle. Der trifft dann die letztendliche Auswahl der Bilder (auch nach Qualität der Bilder) und regelt deren Plazierung in den Heften. Ein vereinfachtes und zuverlässiges Verfahren. Um das nur mal zu erwähnen: 2 Wochen Zeit braucht die Druckerei, unser Layouter 4 Wochen für die Arbeit. Pünktliches Abliefern versprochener Artikel sind also unerläßlich und machen manches Nachbohren meinerseits verständlich. Die Redaktionsarbeit macht großen Spaß, verlangt von mir aber manche Wochenendarbeiten. Der Schweiß der Arbeit wird aber weggewischt durch das durchweg sehr positive Echo auf die je neue Ausgabe.
Unterm Strich ist das erste Quartal 2005 auch für mich persönlich sehr erfreulich gewesen: ich konnte meinen dritten Arbeitsvertrag bei PAX CHRISTI unterschreiben. Ohne Abstriche mache ich meine Arbeit für unsere gemeinsame Sache mit großem Vergnügen sehr sehr gerne. Auch deswegen, weil ich darin bestärkt werde, daß Hoffnung nicht hauptsächlich eine Sache theoretischer Einsicht oder gar einer Prognose ist, es ist eine Sache des Handelns. Ob ich ein hoffender Mensch bin, läßt sich kaum an meiner Prognose ablesen, sondern an meiner Praxis. Sie wird nicht ernährt durch gute Gründe, sondern durch die Güte des Handelns. Vielleicht muß der zynisch werden, der viel weiß, aber aus der Rolle des Zuschauers nicht herauskommt. Die Welt und der Lauf der Dinge leuchten dem nicht ein, der nur Zuschauer ist. Für die Bewahrung der Schöpfung z.B. zu demonstrieren, das hat seinen Sinn in sich. Daran nagt der Zweifel nicht, oder wenigstens weniger als an der Seele des reinen Zuschauers. Gegen den Tod kämpfen, schließt Lebenszweifel aus, vermindert die Frage der Hoffnungslosigkeit. Es ist merkwürdig, daß in den Texten von MARTIN LUTHER KING oder von HELDER CAMARA, die in ihrer Welt für Freiheit und Brot der Armen gekämpft haben, die Frage nach dem Erfolg ihrer Handlungen nicht auftaucht. Die Frage nicht auftaucht, ob die Arbeit sinnvoll ist. Die Arbeit selbst, die sie getan haben, hat ihnen die Sucht ausgetrieben, den Erfolg garantiert zu sehen.
Als Christen wissen wir nicht, wie die Welt wird, aber wir wissen, was aus ihr werden soll. Wir haben keine Garantie für die Zukunft, aber wir haben eine Reihe von Versprechungen, Vorstellungen, Visionen, Liedern die eine Welt besingen, wie sie sein und werden soll. Bei den zahlreichen Gesprächen mit den Mitgliedern unserer Bewegung erfahre ich immer, Teil einer auch deutlich spirituellen Gemeinschaft zu sein, die aus Geschichten vom Recht gebaut ist, aus Geschichten davon, daß die Lahmen tanzen und die Blinden sehen. In PAX CHRISTI haben wir eine Gegensprache, selbst wenn wir nicht immer an diesem Leben ablesen können, daß Hoffnung trotz alledem möglich ist, so bestärken wir uns mit den uralten Geschichten und Erfahrungen der Hoffnung. Es gibt wenig Nester in unserer Gesellschaft, in denen die Geschichten der Freiheit für alle, die Geschichten des Brotes für alle erzählt werden. Dies aber zu erfahren und zu erleben habe ich deutlicher als je zuvor von und mit unserem geistlichen Beirat Ferdi Kerstiens gelernt und bin ihm dafür vor allem anderen auch persönlich sehr dankbar.
Ja, und das war schon eine kleine Sensation: Niederländer und Deutsche trafen sich auf der deutsch-niederländischen Grenze an unserem Versöhnungskunstwerk „Von Angesicht zu Angesicht" am 5. Mai zu einem Gedenktag zum 60. Jahrestag des Kriegsendes. Der Verein „Oase e.V.", Vredenskerk Enschede und PAX CHRIOSTI. Dies war in etlichen Zusammenkünften vorbereitet worden. Daran, daß das 5. Mai-Komitee Enschede es abgelehnt hatte, offiziell zu diesem gemeinsamen Gedenken einzuladen - weil die Zeit auch 60 Jahre danach noch nicht reif erschien - ist ablesbar, welche Bedeutung und welche Seltenheit unser deutsch-niederländischer Gedenktag hatte. Zu Beginn feierten wir einen ökumenischen Gottesdienst u.a. mit Ralf Brokfeld und Ferdi Kerstiens und luden nach einem stärkenden Mittagessen zu zwei Fahrtrouten ein: Bus- und Fahrradtour. Ziel der Routen waren Kriegerdenkmale auf beiden Seiten der Grenzen. Mit dem Bus ging es nach Enschede, wo wir die offizielle und beeindruckende Gedenkstätte zum Kriegsgeschehen besuchten, nach Winterswijk (wo uns der ehem. Zwangsarbeiter Herr Pontier mit seiner Frau erwartete und uns die Gedenkstätten erläuterte, nach Vreden mit einer Führung von Willi Weelink, nach Stadtlohn zum Ehrenmal, das im Laufe der Jahrzehnte immer wider erweitert und ergänzt wurde, und in die Herta-Lebenstein-Realschule, in der uns Manfred Laumanns Schwiegersohn Schülerprojekte zum Thema „Auschwitz" vorstellte. Über 150 Teilnehmende aus den Niederlanden und Deutschland haben sich an diesem Gedenktag beteiligt und belebten den Sinn unseres Versöhnungskunstwerkes. Mit einer Vesper und einem Grillabend wurde dieser Tag beendet.
Und es gab eine weitere Gedenkveranstaltung in Gescher zum Thema „ZwangsarbeiterInnen in Gescher" am 13. Mai. Bei den Stationen des gemeinsamen Gedenkganges (evangelische Kirche, Rathaus, Friedhof) wurden erstmals die Namen aller 430 ZwangsarbeiterInnen in Gescher (aus Frankreich, Polen, Rumänien, Niederlande, Italien, Sowjetunion) genannt. Das Foto in der Presse zeigt Veronika neben dem Bürgermeister mit einem Blumengesteck und unser junges Mitglied Maik Weelink und mich auf dem Friedhof eine Kerze anzündend.
Auch mehrere Schulbesuche im Mai in Münster waren dem 60. Jahrestag des Kriegsendes gewidmet. Apropos Schulbesuche: in einem Rechenschaftsbericht hatte ich dazu ausführlich ausgeführt. Hier deshalb nur so viel: PAX CHRISTI muß Schule machen. Ja und ja. Deshalb freue ich mich immer ganz besonders über Einladungen, in Schulen zu kommen. Und in zahlreichen Schulen im ganzen Bistum war ich wiederum im Berichtsjahr als Euer Friedensarbeiter zu Gast. Im Religionsunterricht, Kunstunterricht, Geschichts- und Politikunterricht, Ethikunterricht. Oder es sind Projekttage, zu denen ich eingeladen werde. Die Themen sind meistens: Vorstellen von PAX CHRISTI als kath. Verband, Erinnerungsarbeit Auschwitz, Riga, Zweiter Weltkrieg, Entschuldung und Nord-Südkonflikt, Werte- und Gewissensbildung, Pazifismus und Bergpredigt, aktuelle Kriege (Kosovo, Afghanistan, 11. September, Irakkrieg), Kriegsdienstverweigerung und Zivildienst, Friedensvorstellungen in der darstellenden Kunst, Lebensorientierungen und authentisches Leben, Friedensdienste im Ausland, Vorbilder für Frieden und Aussöhnung, mein Leben und die Inhalte meines Engagements.
Apropos Schulbesuche: Meine Erfahrungen mit SchülerInnen sind jedenfalls: Sie sind unmittelbar aufgeschlossen für alles, was sie innerlich empfinden können. Sobald die Rede ist von Dingen, die sie träumen lassen, die ihnen fühlbar werden, die sie sensibel machen, öffnet sich ihr Herz und werden die Augen weit.
Meinem Vortrag mit spontanen Nachfragen folgen in der Regel fragend entwickelnde Unterrichtsgespräche, provozierende Thesen mischen und muntern wieder auf, Textanalysen: gemeinsame Entdeckungen, Bildanalysen: gemeinsame Entdeckungen. Am Ende verabschiede ich mich wie bei ERICH KÄSTNER in „Pünktchen und Anton": „Seht zu, wenn ihr groß seid, daß es jetzt anders und besser wird. Uns ist es nicht ganz gelungen. Werdet anständiger, ehrlicher, gerechter und vernünftiger, als die meisten von uns waren! Die Erde soll früher einmal ein Paradies gewesen sein. Möglich ist alles. Die Erde könnte wieder ein Paradies werden. Alles ist möglich!"
Es paßt in diesen Zusammenhang, daß PAX CHRISTI sehr zahlreich am 6. Juni in Billerbeck an einer öffentlichen Veranstaltung mit Frau Prof. Dr. Gertrude Schneider (Wien/New York), einer Überlebenden des Ghettos Riga beteiligt war. Klaus Bresser vom ZDF moderierte die Beiträge, mit dabei der sich sehr um die Gedenkstätten in Riga kümmernde Bundestagsabgeordnete Winni Nachtwei (Bündnis 90/Grüne). Die Billerbecker werden sich die Augen gerieben haben (wie Rudolf Schulze Bertelsbeck treffend anmerkte), daß das Pressefoto fast nur angereiste PAX CHRISTI-Menschen festhielt: Gruppe Coesfeld, Maik Weelink und den Friedensarbeiter.
Eine Vernetzung besonderer Art brachte das Seminar mit Hildegard Goss-Mayr aus Wien. Hildegard Goss-Mayr, seit fast 50 Jahren (lange zusammen mit Jean Goss (+1991)) im Namen des Internationalen Versöhnungsbundes unterwegs in vielen Ländern der Welt, um politische Führungskräfte und Unterdrückte für den gewaltfreien Widerstand gegen Elend, Ausbeutung und Diktaturen zu schulen, "damit Feinde Freunde werden". Sie ist davon überzeugt, daß Gewaltfreiheit der einzige Weg ist, um wahren Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. Für sie bedeutet das allerdings nicht ein passives Abwarten, sondern radikalen Einsatz für die Rechte der Menschen. Sie ersetzt Gewalt durch die Macht der Wahrheit, der Gerechtigkeit und der Liebe. Die Kraft zu einem solchen Leben schöpft sie aus der Weisung und dem Leben Jesu. Die kath. Hochschulgemeinden Oldenburg, Koblenz und Vechta und PAX CHRISTI im Bistum Münster hatten dazu für die Tage vom 12. - 14. Mai nach Rastede im Oldenburgischen eingeladen. Das Thema: „Der Mensch vor dem Unrecht - Spiritualität eines Engagements für Frieden und Gerechtigkeit". Es war gut, daß einige PAX CHRISTI-Mitglieder aus dem hohen Norden daran teilnahmen, denen sonst der weite Weg nach Münster zu aufwendig ist.
Ach ja, und dann kamen ja auch noch die Castortransporte nach Ahaus. Mein Kalender hält fest:
Und zwischen den Castortransporten unser Zehntes Politisches Nachtgebet am 2. Juni 2005: „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: Die Stricke des Jochs zu entfernen"(Jes. 58,6 ) mit einer Predigt von Dr. Ferdinand Kerstiens. Das Nachtgebet war zwar in der evangelischen Christuskirche zu Ahaus, aber diesmal war die Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V. als Mitträger ausgeschieden. Es hatten sich im Laufe der Zeit Irritationen eingestellt, die jetzt durch klärende Gespräche überwunden werden sollen. Jedenfalls wollen beide Mitträger der bisherigen Politischen Nachtgebete auch weiterhin, daß dieser Protest für die Bewahrung der Schöpfung ökumenisch bleibt.
Die Vorbereitungen unserer Mitwirkung und Präsenz an den Bistumstagen 1.-3. Juli in Münster im Rahmen des 1200jährigen Bistumsjubiläum waren für mich sehr mühsam und mit Arbeit beladen. Zu viele Entscheidungsgremien arbeiteten wenig effektiv zusammen. Zusammen? Über ein halbes Jahr z.B. habe fast wöchentlich nach einem Kirchenort für unser Angebot Politisches Nachtgebet gesucht. Aber alle Mühen hatten sich am Ende doch gelohnt:
Wir können sehr zufrieden sein,
Nach meinem Jahresurlaub war ich wieder sehr schnell in vieler Arbeit: es gab große Nachfragen nach der von Galen-Erklärung der SprecherInnengruppe und den Text-Dokumenten. Die Nachfragen kamen von PAX CHRISTI-Einzelmitgliedern und Publik Forum-Lesern - bundesweit, vor allem aus Süddeutschland.
Es gab auch zahlreiche Einzelanfragen mit zahlreichen Sonderwünschen: Material zu Zivilen Friedensdienst, Material zum 11. September. Lehrer baten um Unterrichtsmaterial zur Verschuldungssituation in der 3. Welt, zu Friedensutopien, zu Wegen aus der Gewalt. Ich habe Materialien zusammengestellt. Natürlich. Und natürlich nicht zu knapp.
Es waren die nächsten Veranstaltungen anzugehen:
Und auch dies sei noch festgehalten:
Da häufig die Frage aufgeworfen wird: wie geht es mit PAX CHRISTI im Bistum Münster weiter und wo bleibt der Nachwuchs? will ich aus meiner Sicht mal so sagen: Die Arbeit für Jüngere hat im Bistum Münster einen ganz hohen Stellenwert. Gibt es eine Hochschulgruppe PAX CHRISTI außer in Münster anderswo? Und es kommen auch manche junge Leute als Mitglieder zu uns.
Abschließend soll vom Dank die Rede sein. JOHANN WOLFGANG VON GOETHE sah den eigentlichen Wert des Lebens darin, daß es Gelegenheit zum Dank gibt: „Nur weil es dem Dank sich eignet, ist das Leben schätzenswert". So danke ich allen für Sponsorengeld und Begleitung meiner Arbeit, die ich nach wie vor sehr sehr gerne tue.
Dank an Karl-Heinz für die gute und meistens nicht knirschende Zusammenarbeit. Karl-Heinz, isset so?
Dank allen in der SprecherInnengruppe, der ich gut zuzuarbeiten bemüht war und bin - und in der ich mich sehr wohl fühle und freundschaftlich angenommen.
Wenn es richtig ist, daß Tapferkeit vernunftbestimmter Einsatz für schwierige Ziele ist, Bereitschaft zum Kampf auch mit Verwundungen, aber auch zum Standhalten, dann wünsche ich uns allen weiterhin sehr viel von dieser Tapferkeit. An meinem Einsatz soll und wird es dabei nicht mangeln.