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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Spiritueller Impuls

Wir präsentieren regelmäßig in den Ausgaben der pc-Korrepondenz sowie monatlich auf unserer Webseite einen aktuellen „Spirituellen Impuls“. Haben Sie etwas selbst Geschriebenes oder etwas Schönes gefunden? Dann schicken Sie uns gerne Ihre Idee an: muenster@paxchristi.de oder pax christi Münster, Schillerstraße 44a, 48155 Münster. Wir freuen uns!

Spiritueller Februar 2017

Gewaltanschauung und Gewaltlosigkeit

Der biblische Gottesglaube hat einen neuen Blickwinkel entstehen lassen:

In der Geschichte von Kain und Abel wird anschaulich erzählt, wie die Verhältnisse jenseits von Eden sind. Da wird von einem Brudermord berichtet, mit dem die Mordsgeschichte (im doppelten Sinne) der Menschheit beginnt.

Im Gottesknecht Israel, in der Gestalt des Gekreuzigten-Auferstandenen aus Nazareth, beginnt dann eine Kontrastgeschichte zu dieser strukturellen Gewalttätigkeit in uns und um uns. Hier wird eine konfliktfähige Gewaltlosigkeit möglich, die Jesus damals in Konflikt mit manchen seiner Landsleute brachte - und schließlich ans Kreuz.

Sein Glaube, dass Gottes Weltherrschaft schon im Gange ist und Gegengewalt nicht nötig hat, deckte gewalttätige Strukturen zuallererst auf. Gerade weil er so frei war und stets den ersten Schritt wagte, lockte er seine Gegner aus der Reserve. Er brachte ans Licht, wieviel Gewalt in uns und um uns da ist.

Christentum ist im Kern –auch- Gewaltanschauung: im Glauben an den lebendigen Gott wird menschliche Gewalttätigkeit aufgedeckt und entlarvt. Im Raum von Gottes zuvorkommender Liebe können Menschen sich erkennen und bekennen als die, die sie sind: Söhne und Töchter Kains.

Gewalt derart anzuschauen und nicht länger verdrängen zu müssen, schafft Freiheit und ermöglicht Wandlung. Beispielhaft sei aus einer Weihnachtspredigt von Martin Luther King kurz vor seiner Ermordung zitiert:

„Ich habe zu viel Hass gesehen, als dass ich selber hassen möchte, und ich habe Hass in den Gesichtern zu vieler Sheriffs, zu vieler weißer Stadträte und zu vieler Klu-Klux-Klan-Leute im Süden gesehen, als dass ich selber hassen möchte; und jedes Mal, wenn ich ihn sehe, sage ich mir, Hass ist eine zu große Last, als dass man sie tragen könnte. Irgendwie müssen wir imstande sein, vor unsere erbittertsten Gegen hinzutreten und zu sagen: ‚Wir werden eure Fähigkeit, uns Leid zuzufügen, durch unsere Fähigkeiten, Leid zu ertragen, wettmachen. Wir werden eurer physischen Kraft mit Seelenkraft begegnen. Tut uns an, was ihr wollt, wir wollen euch trotzdem lieben. Wir können nicht mit gutem Gewissen euren ungerechten Gesetzen gehorchen und dem ungerechten System treu bleiben, denn Nicht-Zusammenarbeit mit dem Bösen ist eine moralische Pflicht wie Zusammenarbeit mit dem Guten. Also werft uns ins Gefängnis, wir wollen euch trotzdem lieben. Bombardiert unsere Häuser und bedroht unsere Kinder, und wir wollen euch -so schwer es auch ist- trotzdem lieben. Schickt eure vermummten Gewaltverbrecher zu mitternächtlicher Stunde in unsere Gemeinden, schleppt uns hinaus in eine abgelegene Straße und lasst uns halbtot geschlagen liegen, und wir wollen euch trotzdem lieben. Schickt eure Propaganda-Agenten im Land herum und erweckt den Anschein, als wären wir kulturell und auch sonst nicht tauglich für die Integration, und wir wollen euch trotzdem lieben. Aber seid sicher, dass wir euch durch unsere Leidensfähigkeit aufreiben werden, und eines Tages werden wir unsere Freiheit erobern. Wir werden sie nicht nur für uns selbst erobern, wir werden so sehr an euer Herz und Gewissen appellieren, dass wir euch in dem Prozess gewinnen. Unser Sieg wird ein doppelter Sieg sein.“

Klaus Hagedorn, 4.2.2017