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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Kossen: Arbeitsmigranten sind betrogene Verlierer

30. Mrz 2020

Pfarrer Peter Kossen warnt vor den Problemen für Arbeitsmigrant*innen im Zeichen des Corona-Virus.

Im Rahmen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus ist die Arbeitnehmer-Freizügigkeit innerhalb der EU stark eingeschränkt.

Konkret heißt das: Der Nachschub an frischen Arbeitskräften aus Ost- und Südosteuropa bleibt aus. Außer der Landwirtschaft werden zurzeit auch Fleischindustrie, Paketdienste, Ausstallkolonnen, Reinigungsgewerbe und Privathaushalte nicht mehr mit billigen Arbeiterinnen und Arbeitern „beliefert“. Der Menschenhandel ist zum Stillstand gekommen. Und schon gibt es Forderungen, die Restriktionen zu lockern. Der Markt verlangt nach billigem Fleisch, Gratispaketen und billiger 24-Stunden-Pflege. Im Zweifel sollen die, die da sind, mehr arbeiten dürfen.

Peter Kossen warnt: „Kaum vorhandene Minimalstandards in Sachen Arbeitsschutz, Entlohnung und Wohnung dürfen jetzt nicht noch unterlaufen werden. Die verbliebenen Migranten müssen davor beschützt werden, dass man sie noch mehr als bisher auspresst und verschleißt, um sie dann wie Maschinenschrott zu entsorgen.“ Das niedersächsische Sozialministerium habe Kontrollen angeordnet. Bisher hätten Kontrollen zu keiner erkennbaren Verbesserung der Wohn- und Arbeitssituation geführt.

Die aktuelle Gefahr ließe jetzt keinen Aufschub mehr zu. „Der Corona-Pandemie sind die von unmenschlicher Arbeit ausgelaugten und häufig gesundheitsschädlich untergebrachten Migranten schutzlos ausgeliefert. Dass zunehmend Kinder mitbetroffen sind, verschärft das Problem und macht die Lösung noch dringlicher.“ Die Arbeitsmigranten seien auch gleich die ersten, die bei Schwierigkeiten des Unternehmens auf der Straße stünden. „Wer zahlt für sie, wenn sie in Quarantäne gehen müssen?“, fragt Kossen. „Wenn es keiner tut, bleibt den Betroffenen nichts weiter übrig, als arbeiten zu gehen.“

Jetzt zeige sich, was alle wüssten, dass die Geisterarmee am Rande der Gesellschaft aus sehr realen Menschen bestehe, aus EU-Mitbürgern, denen Würde und Gerechtigkeit bei uns nicht selten vorenthalten werden. „Lange haben Wirtschaft, Politik und Gesellschaft über schwere Menschenrechtsverletzungen unter dem Deckmantel der Arbeitnehmerfreizügigkeit hinweggesehen. In der Pandemie ist es vielleicht schon zu spät, die modernen Sklaven vor der Ansteckung und vor schweren Krankheitsverläufen jetzt noch schützen zu wollen. So haben sie doppelt verloren, sind betrogene Verlierer.“

Kossen fragt: „Will man einfach zusehen, wie Lücken geschlossen werden und die Ausbeutungsmaschinerie für billiges Fleisch weiterläuft oder ist jetzt nicht der Zeitpunkt, die Räder anzuhalten und den Systemwechsel herbeizuführen?“ Das System einer Wertschöpfung, die weitgehend auf der Ausbeutung von Arbeitsmigranten aufgebaut ist, sei krank und mache krank. „Die Abkehr von diesem kranken System ist längst überfällig!“ Nur Kontrollen und gesetzlich erzwungene Mindeststandards von Leben und Arbeiten in Würde und Gerechtigkeit könnten die Wende herbeiführen. Für viele Betroffene werde das aber bereits zu spät sein!

Lengerich, 28.03.20                                         Peter Kossen